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Die Ansprache des Vorsitzenden des Bezirksausschusses Witzhelden, Volker Jung:
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kinder, sehr geehrte Gäste des Witzheldener Erntedankfestes, liebe Witzheldenerinnen und Witzheldener,
“Tradition und Lebensfreude in Witzhelden”, lautet das Motto des diesjährigen Erntedankfestes und im Besonderen des Großen Festzuges am Sonntag. Der Brockhaus beschreibt als Tradition die
Übernahme und das Weitergeben von Kenntnissen und Fertigkeiten des Kulturbesitzes sowie von Brauch und Sitte. In der Realität sieht das oft aber so aus, dass drei, die sich öfter getroffen haben, bald einen
Verein gründen und wenn ein Fest dreimal veranstaltet wurde, gilt es schon als traditionell. Das wird gern ein wenig übertrieben. Es gibt Feste, die werden als traditionell bezeichnet, weil sie 10mal stattgefunden
haben: Essen, Trinken, Musik.
Tradition ist, so meint der Brockhaus und so meine ich auch, etwas mehr. Da muss etwas weitergegeben werden, etwas über lange Zeit erhalten bleiben.Wenn Richtfest gefeiert wird, überbringt der
Zimmermann traditionell die besten Wünsche an die Bauherrn. Wenn das Haus bezogen wird, werden Brot und Salz überbracht. Brot, damit es im Haus immer genug zu essen gibt und Salz zur Erwirkung von Segen für das
Haus. Sitten und religiöse Gebräuche sind hier oft vermischt.
So ist das auch beim Erntedankfest, das wir in alter Tradition hier im Höhendorf ausgiebig am ersten Wochenende des Oktober feiern.Die
Einbringung der Ernte war von Alters her mit religiösen Gebräuchen verknüpft, denen oft Volksbelustigungen, Tänze und Spiele folgten. Der Zweck dieser
Feste war zunächst, der Gottheit, welche der Erde Fruchtbarkeit verleiht, Dank darzubringen.
An die Stelle der heidnischen Gebräuche setzte die Christliche Kirche das Erntedankfest, das die Gemeinde zur Erntepredigt versammelt, um Gott für seine Gaben zu danken.
Die Verbindung zwischen religiösem und weltlichem Fest stellte dann der Gutsherr oder Pächter des Hofes her. Nach der Einfuhr des Getreides lud er zu
einer Tanzbelustigung ein, bei der Erntebier als Freibier ausgeschenkt wurde. Die Arbeiter flochten dem Festgeber als Dank einen Erntekranz.
All das pflegen wir in Witzhelden als Tradition, - Freibier gibt es aber nicht!
Gottesdienst, Ochse am Spieß, Erntekranz, Festzug all das gehört zum Erntedankfest, aber eben auch das Feiern, die Lebensfreude.
Das Erntedankfest in Witzhelden ist ein sehr traditionsbewusstes Fest, aber auch ein Fest, bei dem sich die Freude des Lebens zeigt. Die Witzheldener mögen
als Bergische ja manchmal etwas stur und dickköpfig sein, aber sie wissen zu feiern.
Welchen Ideenreichtum man beim Feiern entwickeln kann, werden alle beim morgigen Festzug sehen, hören und bestaunen können.
Dann wird auch wieder die Person im Mittelpunkt stehen, die traditionell das Erntedankfest eröffnet: Die Verkörperung von Tradition und Lebensfreude in
Witzhelden, unsere Erntekönigin Sylvia Specht.
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