
|
Erntedankzug im Höhendorf „Weltkulturerbe Witzhelden“ Von Stefan Andres 50 Gruppen bahnten sich beim Erntedankzug ihren Weg durch das Höhendorf. Das bunte Spektakel drehte sich um einen besonderen Geburtstag: "Witzhelden - 825 Jahre sieht man dir nicht an" lautete das Motto. Leichlingen - Der Wettergott spielte mit und schickte dem Höhendorf am Sonntag zum Erntedankfest wärmende Sonnenstrahlen während des großen Festumzugs quer durch das Dorf. Die Witzheldener dankten es und feierten tüchtig: Im Zug oder am Wegesrand - überall wurde geschunkelt und gefeiert, als sei die fünfte Jahreszeit bereits in vollem Gange. Am Ortseingang und besonders auf dem Marktplatz drängten sich die Zuschauer und begrüßten die Festzügler mit Begeisterung. Hinter edlen Pferden führte Erntekönigin Almut Endert auf ihrem reich geschmückten Wagen den Zug an, dahinter wurde auf dem „Reisbreiwagen“ die klassische Süßspeise nach bergischer Art zubereitet und von emsigen Rollschuhfahrern auf Tabletts verteilt. Das Motto des Zuges „Witzhelden - 825 Jahre sieht man dir nicht an“ nahmen viele Gruppen zum Anlass, sich in historischen Gewändern zu kostümieren: Burgknappen und -fräuleins sowie edle Ritter traf man, sogar an Herrmanns Varusschlacht erinnerte ein Wagen, bei den Wikingern war gar der Landtagsabgeordnete Rainer Deppe an Bord. Aber auch bunte Kühe und wohlgeratene Gewächse „in voller Blüte“ waren zu bestaunen. Die Abwrackprämie wurde aufs Korn genommen und die Revolution riefen einige kubanische Höhendorfer in stilechter Aufmachung aus und forderten mit falschen Bärten und echten Zigarren: „Hasta la Höhendorf siempre!“ „Wir haben in diesem Jahr 50 Teilnehmergruppen, das ist schon rekordverdächtig“, freute sich Zugleiter Hans-Josef „Jupp“ Schneppenheim, „so viele Teilnehmer hatten wir schon lange nicht mehr.“ Noch Freitag und Samstag seien vier Wagen hinzugekommen. Zwar stürzte ein Pferd kurz nach dem Start, aber Tier und Reiterin blieben unverletzt. Nach rund einer Stunde war der Zug am „Wiegand“ vorbei, wo noch einmal zahlreiche Feierwütige warteten, kurz dahinter drehte der Zug und machte sich auf den Weg zurück zum großen Finale des Festes im Dorf. |
|
Kölner Stadtanzeiger vom 5.10.09 |
|
Der Ochse drehte sich neun Stunden am Spieß Leverkusen (RP) Die Vorbereitungen begannen ganz früh am Samstag: Um 6.30 Uhr stellte Rolf Kuhn den großen Gasgrill an, damit der namenlose, gut 300 Kilogramm schwere, mit Kuhns geheimer Gewürzmischung präparierte Ochse am Spieß fast neun "Im Durchschnitt verkaufen wir rund 1000 Kilogramm Ochse pro Erntedankfest", erzählte Metzgermeister Kuhn. Er weiß so etwas, er bereitet seit 39 Jahren Ochsen fürs Höhendorf zu. Macht 39 Tonnen Ochsen, meist drei Tiere pro Veranstaltung. Glückliche Tiere aus der Region "Es war ein glückliches Tier aus der Region", versicherte Kuhn, als Erntekönigin Almut Endert mit Prominenz und Blaskapelle im Gefolge bereits im Anmarsch auf seinen Essensstand war, um statt zum Zepter zum Fleischmesser zu greifen und um drei Minuten nach 15 Uhr das zweitägige Fest mit der Präsentation der ersten Portion zu eröffnen. Dem ersten Schnitt an der Fleischtheke ging ein ökumenischen Gottesdienst in der Kirche am Marktplatz voraus und folgte das Aufziehen der Erntekrone. 51 Gruppen, 200 Helfer Am Erntedank-Umzug nahmen 51 Gruppen teil, die den Zugweg von Krähwinkel über die Hauptstraße zu Fuß, musizierend, auf hübsch dekorierten Wagen oder mit antiken Traktoren zurücklegten. Damit waren sechs Gruppen mehr am Start als im vorigen Jahr. Unverändert hoch ist hingegen die Zahl der ehrenamtlichen Helfer, die sich rund um das Fest engagieren. Rund 200 Personen waren im Hintergrund an der Organisation beschäftigt. Sie mussten sich beim Feiern am Wochenende zwar etwas zurückhalten, dafür steigt für sie in ein paar Monaten eine Helferparty. Auch "Ferdi" wurde verspeist Durchwachsen war nur das Wetter zum Erntedank, der Ochse dagegen: zart. Wann die Tradition mit dem riesigen "Spieß-Braten" in Witzhelden installiert wurde, konnte Hanna Steinhaus vom Erntedank-Arbeitskreis des Verkehrs- und Verschönerungsverein nicht klären. Zwischen 50 und 60 Jahren müsse es her sein, dass zum Witzheldener Erntedank der erste Ochse rotierte. Ob es stets glückliche Tiere waren, wird wohl ungeklärt bleiben müssen. Aber namenlos waren sie nicht immer. "Einmal", erinnerte sich Steinhaus, "stand auf einer Lieferung der Name des Tieres: Ferdi." |
|
Rheinische Post vom 4.10.09 |
|
20 000 beim Erntedank 62. HEIMATFEST Große Feier, doch Ärger um das behördlich verordnete Ende. Witzhelden. Was bedeutet es, wenn sich plötzlich Ritter und Wikinger in dem sonst so beschaulichen Witzhelden tummeln? Es ist wohl Zeit für das 62. traditionelle Erntedankfest! Doch nicht nur das alljährliche Volksfest gab Anlass zu guter Stimmung. Der Leichlinger Stadtteil feierte zudem sein 825-jähriges Bestehen. Dass das Highlight der Veranstaltung, der große Festzug, das Motto „Witzhelden - 825 Jahre sieht man dir nicht an“ trug, wundert also nicht. Da tummelten sich Ritter und Wikinger, Milkakühe und die Erntekönigin Almut Endert auf den liebevoll gestalteten Erntedankwagen und verteilten Süßigkeiten, Gemüse und Obst an die gut gelaunten Besucher. Darüber hinaus flitzten Jugendliche auf Inlineskates herum, die Milchreis an die Zuschauer verteilten. Zudem surfte man einen mit viel Liebe und Alufolie kreierten „Raumgleiter“ bestaunen, der einen Ausblick auf das Witzhelden in den nächsten 825 Jahren geben sollte. Diese und viele spannende Ideen mehr überraschten immer wieder die Zuschauer. Einer von ihnen war Elmar Meuler, selbst gebürtiger Witzheldener. Obwohl er dort seit 40 Jahren nicht mehr wohnt, kommt er fast jedes Jahr zum Erntedankfest. „Das ist schon eine Leistung“, erkennt er den Aufwand an, den viele der teilnehmenden Vereine für den Festzug betrieben haben. Polizei und Ordnungsamt sorgten für frühen Zapfenstreich Rolf Busse vom Verein Arbeitskreis Erntedankfest zeigt sich ebenfalls überaus positiv gestimmt: „Der liebe Gott muss Witzheldener sein!“ Mit der Hilfe von 250 ehrenamtlichen Helfern sei das im Umkreis von Witzhelden größte Erntedankfest mit seinen schätzungsweise 20 000 Besuchern auf die Beine gestellt worden. Doch leider gab es auch einen Schatten, der sich über die fröhliche Veranstaltung legte. Denn überraschenderweise schritt am Samstagabend das Ordnungsamt Leichlingen ein und beendete bereits um 1.00 Uhr nachts das Fest, das in den vergangenen Jahren immer bis in die frühen Morgenstunden gedauert hatte. Grund dafür seien neue Auflagen. Nun fürchtet nicht nur Rolf Busse um die Zukunft der Veranstaltung: „Es wäre schade, wenn das Fest wegen so etwas stirbt!“ Doch die Witzheldener reagierten schnell und druckten noch in der Nacht Flyer, die Aufschriften trugen wie: „Wir wollen trinken dürfen - und selbst entscheiden, wann wir nach Hause schlurfen!“ Im nächsten Jahr wird man sehen, ob dieser Protest Wirkung gezeigt hat. Zunächst aber gingen alle zufrieden nach Hause, denn aufgrund der Unmengen leckerer Erntegaben wird es in nächster Zeit wohl viel frische Gemüsesuppe geben. |
|
Solinger Tageblatt vom 6.10.08 |