Förderverein Alter Wasserturm
Witzhelden Ortsmitte

Witzhelden –  geschichtlicher Abriss

Witzhelden, ein Dorf im bergischen Land, klein, aber frĂŒher von großer Bedeutung. Urkundlich wurde Witzhelden als „Withseleden“ zum ersten Mal am 11. Oktober 1184 in einer in Altlatein verfassten Bulle von Papst Lucius III. erwĂ€hnt : “Ein Landgut des Edlen von Hemmersbach, jenseits des Rheins gelegen. Es wird erwĂ€hnt nahe dem Dorf Withseleden mit allem Recht, wodurch dieses es besitzen wird.“(Original Urkunde;Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 96,Nr. 27). Entstanden sein soll Witzhelden durch eine Ansiedlung von niederlĂ€ndischen FlĂŒchtlingen.
Nachdem das Kirchspiel unter dem 30-jÀhrigen Krieg sehr gelitten hatte, bestand das Dorf aus 16 HÀusern und einer Kirche. Die Feuersbrunst im 16. Jahrhundert vernichtete einen Teil des eigentlichen Dorfes.
Ab 1794 gehörte Witzhelden zum Herzogtum Berg, dessen Grafen und Herzöge von Berg in Witzhelden bedeutenden Grundbesitz hatten. Außerdem unterlag es dem Amt Miselohe und ab 1818 gehörte es zum Kanton Opladen. Allerdings wurde Witzhelden 1815 von Preußen eingenommen und stand seitdem unter deren Herrschaft. Als Dorf selber wurde es erst 1850 selbststĂ€ndig.
Durch die kommunale Neugliederung im Jahre 1975 verlor es seine SelbststÀndigkeit wieder und wurde ein Stadtteil von Leichlingen.

Die Kirche – ein Wahrzeichen von Witzhelden

Mitten in Witzhelden findet man die bis zur Reformation um 1560 dem heiligen Henricus geweihte evangelische Kirche, eine Kirche im Stil der bergischen Predigerkirchen.

Die beiden Zwillingsfenstern des Turmes dienen als Schallöffnung fĂŒr die drei Glocken.

Sie bestand schon im 12. Jahrhundert und wurde im 13. Jahrhundert als Pfarrkirche erwÀhnt. Somit ist sie die Àlteste Kirche im Kirchenkreis Solingen. Gleichzeitig dient sie als Gruft der damaligen Herren von Herscheid und Bechhausen. Eine Grabplatte dient heute als Bodenbelag. Diese Grabplatte wurde bei Ausgrabungen wÀhrend der Kirchenrenovierung 1952 gefunden.

Die erste Kirche wurde 1241 erbaut. Bei der Restaurierung in den Jahren 1979-1982 fand man heraus, dass es sich um eine Ost – West orientierte Saalkirche handelt, denn man fand deren Reste aus dem 11. Jahrhundert in einer in Lehm gesetzten Steinstickung von ca. 1,20 m Breite. Es war eine einschiffige Saalkirche, also ein Kirchraum ohne StĂŒtzpfeiler im Inneren. Lediglich ein kleiner Altarraum mit eckigem Grundriss war angegliedert. Die Kirche war  zwischen 3,6 m und 5 m breit und zwischen 8 m und 11 m lang. Daran schloss sich im Osten noch ein um etwa eine halbe MauerstĂ€rke eingezogener, rechteckiger Chorraum von ca. 3,6 m mal 4 m an.

Der Grundriss der Kirche ist heute noch zu sehen: eine Kupferleiste im Boden der Kirche zeichnet die Umrisse nach.

Im Jahre 1248 wurde der Turm im romanischen Stil errichtet. Er ist vierstöckig und hat je zwei kleine, rundbogige Fenster, die in ihren Laibungen mit Tuffsteinen verblendet sind. Der alte Wehrturm aus Bruchsteinen trĂ€gt ein Pyramidendach, also ein sogenannter Stubbenturm. Die Turmhalle misst innen 4,15 mÂČ und außen 6,5mÂČ und ist mit einem schweren Gratgewölbe ĂŒberdeckt. Seine WĂ€nde sind solide, allerdings aus einer recht groben Steinstickung.

Das Dach ist mit Schiefer verkleidet. Dies nennt man ein Mansardendach.
Die Bronzeglocken im Turm stammen aus den Jahren 1435, 1451 und 1997. Damals wurden diese noch von Hand gelÀutet, ab ca. 1955 wurde dies durch ein elektrisches LÀutewerk geÀndert. Dabei erfolgte dann auch eine VertÀfelung der Decke und die BÀnke wurden erneuert (insgesamt sind es 21 MittelbÀnke, 23 kurze SeitenbÀnke und 18 lange BÀnke auf der Empore).
Der Turm blieb seit der ersten Erbauung bis heute erhalten. Im Volksmund nennt man ihn auch den „Alten vom Berg“.

Im 13. Jahrhundert wurde auf den Fundamenten der ersten Saalkirche eine um zwei Seitenschiffe erweiterte, viel aufwendigere Kirche gebaut. Diese Kirche war nun dreischiffig und doppelt so groß wie ihr VorgĂ€nger.
Das Fundament des 1. Baus wurde als StĂŒtze fĂŒr die zwei Seitenschiffe benutzt. Die SeitenwĂ€nde dieser Kirche liegen zum Teil unter der Nord- und der SĂŒdwand der heutigen Saalkirche.
Die Seitenschiffe endeten im Osten jeweils in einer kleinen Apsis, einer bogenförmigen Nische. Der Altarraum des zweiten Baus hatte die Form eines „gestelzten Halbkreises“. Hierbei wurde die Kirche durch staufische PrĂ€gung verĂ€ndert. SpĂ€ter wurde die Kirche etwas umgebaut: das GebĂ€ude wurde nach Nordosten erweitert.

Durch Risse im Gewölbe und das Abrutschen der Grundmauern um das Jahr 1767 musste allerdings auch diese Kirche abgerissen werden und wurde dann von 1767 bis 1773 neu errichtet. Der Turm blieb dabei jedoch stehen. Dies ist nun unsere heutige Kirche im Stil des bergischen Bauernbarocks. So passt sich die Kirche dem Turm an, denn auch sie wurde aus Bruchsteinen gebaut. Ihre Breite betrÀgt nun 14 m und ihre LÀnge 19,5 m. Der Chor ist gerade geschlossen und hat ein hölzernes Tonnengewölbe. Die Empore umlÀuft drei Seiten. Der Turm ist westlich vorgelagert.Im Inneren der Kirche findet man ein einfaches Gewölbe, Putz auf Spalierplatten, und Rundfenster mit Bleiverglasung, die im Winter 1949/1950 erneuert wurden. Die WÀnde wurden im Jahr 1930 neu gestrichen.In den Jahren 1871 bis 1982 wurde die Kirche immer wieder umfangreich renoviert.

Im Krieg von 1939 bis 1945 konnte das Kirchendach aufgrund von Geldmangel nicht neu gedeckt werden und auch Reparaturen wurden vernachlĂ€ssigt. Leider waren diese Arbeiten dringend notwendig und so drang Wasser durch das Dach. Am Gewölbe entstanden nicht zu verhindernde SchĂ€den. Erst ab 1948 war die Gemeinde in der Lage die SchĂ€den zu beseitigen. So wurde im Herbst die SĂŒdhĂ€lfte neu gedeckt.
Im Sommer 1949/1951 wurde dann das komplette Kirchendach mit Moselschiefer neu verkleidet. Des weiteren wurden der Turm und insbesondere dessen Mansardendach auf der Nordseite ausgebessert. Die Kosten dafĂŒr trug der Staat. Im Herbst 1949 und im FrĂŒhjahr 1950 wurden die Fenster neu verglast. Es wurde Kathedralglas eingesetzt. Die nun in Blei eingefassten Fenster waren weiß-goldgelb kariert. Das Glas der LĂ€ngsscheiben ist rot und blau.. Auch die innere EingangstĂŒr wurde durch eine EichentĂŒr ersetzt und passt sich somit dem Baustil an. Das Außenmauerwerk wurde im Sommer 1951 neu ausgefugt und das Holzwerk neu gestrichen. Das Innere wurde von Oktober bis Dezember 1951 restauriert. Der Putz des Gewölbes wurde entfernt und neu verputzt, die FensterbĂ€nke wurden erneuert und die GĂ€nge aufgerissen. Dabei fand man zwei unebene Grabplatten, sogenannte flandrianische Grabsteine, die entfernt wurden, damit neue Platten verlegt werden konnten.1971/1972 wurde dann der romanische Turm restauriert und eine neue TĂŒr wurde eingesetzt. Zeitweise, von 1890 bis 1949, war er mit Efeu bewachsen. Eine umfangreiche Restaurierung der Kirche folgte in den Jahren 1973 bis 1982, wo auch das komplette SĂŒdportal neu gestaltet wurde.

Es folgen nun Bilder, welche die Entwicklung der Kirche von 1900 bis 1974 zeigen.
. Marktplatz 1910
1900

 

`Der Alte vom BergeÂŽ 1933

1920

 

Marktplatz 1974

1949


Die denkmalgeschĂŒtzten HĂ€user „am Markt“

Die folgenden GebÀude, sowie auch die Kirche, wurden im Juli 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Es handelt sich um die HÀuser im Marktplatzbereich, die zusammen mit der Kirche den Marktplatz umsÀumen.

Der Marktplatzbereich weist eine hohe QualitÀt der raumbegrenzenden Bebauung auf.
Die Friedhofsmauer und die alte Dorflinde sind schon seit mehr als hundert Jahren verschwunden. DafĂŒr wurde 1997 ein Brunnen errichtet.

Postkarte von 1930.Die LĂ€ngsseiten dieses Dreiecksplatzes bilden die beiden traufstĂ€ndigen FachwerkhĂ€userreihen im bergischen Baustil, den Abschluss des Dreiecks bildet die Kirche mit den angrenzenden großen BĂ€umen. FrĂŒher befanden sich auch mitten auf dem Marktplatz BĂ€ume. 1991 entschied man dann wieder einen großkronigen Baum in die Mitte des Platzes zu setzen, damit dieser seine frĂŒhere, hohe AufenthaltsqualitĂ€t wieder erhĂ€lt. Des weiteren wurde durch eine Mauer das starke GefĂ€lle zum Parkweg hin gelindert. Die Kuppe des Platzes wurde abgeschliffen, um eine bessere Einsicht auf den Platz zu ermöglichen. Auf dem Marktplatz wurden Lampen mit einem niedrigen Lichtpunkt angebracht.

Der Marktplatz – eine intakte Darstellung des bergischen Landes, gekreuzt von den Strassen Burscheid, Solingen und Leichlingens sowie Hilgen.
Alle weiteren Strassen laufen sternförmig auf den Platz zu.

Über die HĂ€user lĂ€sst sich im allgemeinen sagen, dass sie zweigeschossig sind und ein steiles Satteldach haben. Erschlossen sind sie von der Traufseite, oft mittig. Insbesondere die GebĂ€ude der sĂŒdlichen Platzwand sind im originalen Baubestand erhalten.
Das typisch bergische Fachwerkhaus hat einen Sockel aus Grauwackebruchstein, welcher leicht vor dem aufgehenden Fachwerkhaus steht. Oft sind sie verputzt und grau gestrichen. Die FassadenflÀche ist meist verschiefert.

Die DĂ€cher bestehen aus Hohlziegeln. Der Ortgang, also der Dachrand an der Giebelseite, und die Traufen haben nur einen schmalen Überstand. Die Traufen bestehen aus schrĂ€ggestellten Traufbrettern mit geschweiften Enden.
Die Fenster sind 2-flĂŒglig und gehen oft nach außen auf. Das Glas ist mit Sprossen besetzt. An einigen HĂ€usern sieht man immer noch die SchlaglĂ€den in einem bergischen GrĂŒn leuchten.
Die HĂ€user „Am Markt“ 10,11 und 12 stammen aus dem 18. Jahrhundert, 13 und 14 wurden wohl Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut.

Am Markt 2

Das ca. 155 Jahre alte Pfarrhaus steht unmittelbar hinter der Kirche. Das um 1850 erbaute Haus ist auf den Grundmauern eines Àlteren Hauses errichtet worden. 1851 war es dann bezugsfertig.

Die Substanz des vorigen Hauses, welches auch das Haus der Pfarrers war, war sehr schlecht. Bei der Erbauung des Hauses mussten viele EinschrĂ€nkungen in Kauf genommen werden: die in der KĂŒche befindlichen Haussteinplatten mussten erhalten bleiben; ebenso die Platten im Keller. Der Wandofen und das Fournaise in der KĂŒche sind auch noch im Originalzustand vorzufinden. Untypisch fĂŒr den bergischen Baustil sind die Fensterschöpfungen.
FrĂŒher gehörte noch ein Stall zum Anwesen. Im August 1905 brannte dieser Teil allerdings ab.

Gebaut wurde das 2-geschossige Pfarrhaus im Stil eines lĂ€ndlichen Einfamilienhauses mit KrĂŒppelwalmdach.

Der Mitteleingang mit der doppelflĂŒgligen TĂŒr wird von Schiefer umrandet, welcher als Zierschiefer die komplette Fassade des Hauses bedeckt.

Es fanden ĂŒber die Jahre immer wieder einzelne, kleine Umbauten statt. Heute ist das 1965/66 neu erbaute Haus nicht mehr Pfarrwohnung, sondern zum Teil Sitz des GemeindebĂŒros. Der andere Teil des Hauses ist vermietet.

Am Markt 6

Auch dieses GebÀude ist 2-geschossig und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Durch einen Situationsplan lÀsst sich sagen, dass 1880 dort die Familie Linkmann wohnte.

Noch heute ist es in einem guten Originalzustand. Das TĂŒrblatt ist allerdings neu.

Das Dach ist mit glasierten Hohlziegeln eingedeckt.

 

 

 

 

Am Markt 8

Dieses Haus gehörte der Familie MĂŒller. 1880 war es im Besitz der Familie Schmitz, denen damals auch das Haus „Am Markt“ 7 gehörte. Am Markt 8 im Jahre 1903.

Dieses ebenfalls 2-geschossige Haus ist das einzige Haus, welches einen „TĂŒrsturz“ hat und, wie man frĂŒher behauptete, einen geheimen Gang zur Kirche.

In dem Balken ist die Jahreszahl 1650 bzw. 1729 eingraviert. Vermutlich die Daten der Erbauungen der damals dort befindlichen HĂ€user. Der Balken wurde bei den neuen HĂ€usern immer wieder mit eingesetzt. Die Eingangsseite befindet sich auf der Traufseite. Das heutige Haus wurde um 1800 erbaut und vorerst als BĂ€ckerei genutzt. Die Fassade wurde Ende des 19. Jahrhunderts allerdings durch eine TĂŒrrahmung modernisiert. Auch das Innere wurde modernisiert. Seit 1994 befindet sich dort die Pizzeria „I Trulli“. Vorher war dort ein Optiker.


 

Am Markt 9

In diesem recht schmalen Teil eines Hauses war bis vor kurzem noch ein MöbelgeschÀft untergebracht. Heute ist der Schreibwarenladen PaulyŽs dort ansÀssig.

Peter Johann Claasen ließ das Haus bauen und bewohnte es ab 1884.

 Ab 1889 benutzte die Familie Rehbach das Haus als Warenlager. Es folgten die Familien Hibbertz, Pulvermacher und Klinkhammer.

 

 

 


 

Am Markt 10

Aufnahme des Hauses von 1920.Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier zum ersten Mal ein Haus gebaut. Familie Schmitz ließ ein neues, 2-geschossiges, verschiefertes Haus Anfang des 20. Jahrhunderts bauen.
Das Anfang des 19.Jahrhunderts erbaute Haus war zuerst  eine Wirtschaft, dann 12 Jahre lang die Post.

Nachdem es dann ab 1878 wieder als Wirtschaft diente, wurde es 1914/15 umgebaut, der zugehörige Stall wurde abgerissen und ab 1948 wurde aus dem Haus eine Backstube. 1929 erfolgte der Dachausbau dieses neubergischen Zwerghauses.
Ab 1955 war die linke HĂ€lfte ein BĂ€ckerladen und die rechte HĂ€lfte eine Wirtschaft. Die RĂŒckseite bildet ein jĂŒngerer, 2-geschossiger Fachwerkbau mit Blechschiefer.
Leider ist das Erdgeschoss durch den modernen Ladeneinbau stark verĂ€ndert worden. Das Haus ist seit 1977 BĂ€ckerei und  Cafe Heinrich Strieker.

Am Markt 12

Der frĂŒhere Bauernhof mit dem KrĂŒppelwalmdach, welcher um 1800 erbaut worden war, war mit der Zeit stark heruntergekommen. Die doppelflĂŒglige EingangstĂŒre ist asymmetrisch und hat im Oberlicht Ellipsensprossen.

Ein verzierter Rahmen befindet sich auf der Giebelseite zwischen den beiden Geschossen. Die andere Seite ist mit Schiefer verkleidet. FrĂŒher war es mit dem Haus „Am Markt 11“ verbunden. Der Besitzer war eine Adelsfamilie, die allerdings den Hof 1890 verkaufen musste. Des weiteren wohnte die Familie Schwarzenberg darin. Heute ist der Friseur „Am Markt“, geleitet von Familie Harings, hier untergebracht.
 

Am Markt 13/14

Heute bilden diese zwei HĂ€user die GaststĂ€tte „Zur alten Post“.

Das erste mal wurde diese GaststĂ€tte 1851 erwĂ€hnt. FrĂŒher gehörte das Anwesen der Familie Witte, dann Derkenrath und heute Hoffmann.

 

 

 

Am Markt 16

Am Markt 16 wurde 1850 erbaut. Dieses Haus unterscheidet sich sehr von den anderen HĂ€usern in seiner Ă€ußeren Gestalt: es ist ein verputzter Ziegelbau mit Mitteleingang, einem kleineren Mittelrisalit und KrĂŒppelwalmdach. Die Fenster im Erdgeschoss wurden im 20. Jahrhundert modernisiert.

Am Markt 17

Das Haus des Ortsvorstehers wurde 1712 gebaut. Das steile Dach stammt aus dieser Zeit, die Fassade ist durch mehrfaches Umbauen leider verdorben. Zum GlĂŒck konnte die damalige Gestalt des Hauses erhalten bleiben, da das heutige Haus nach alten Vorlagen rekonstruiert worden ist. Der Stall, der zu dem Haus gehörte, wurde 1897 gebaut.
 

Am Markt 18







 

Zum ersten Mal wurde an diesem Platz 1612 ein Haus errichtet.
Das aktuelle Haus wurde 1879 an das links danebenstehende Haus (Nr. 17) gebaut. Der heutige KĂ€se- und Weinladen „Jacobs“ wurde ab 1885 von Karl MĂŒller als Wohnhaus und Stall benutzt, ab 1907 bewohnte Hugo Rahm und ab 1990 Familie Madel das Haus.

Am Markt 19

Schon 1851 war dieses Haus eine GaststÀtte. Allerdings befanden sich dort auch mal eine Sparkasse, ein Schreibwarenladen und ein TabakgeschÀft.

Am Markt 20

Zum ersten Mal wurde dieses GebĂ€ude 1839 erwĂ€hnt. Bis 1887 wurde es als Gastwirtschaft genutzt. Bis vor ca. zwei Jahren fĂŒhrte dort  Familie Flecke eine Drogerie. Heute findet man dort die Lotterie-Annahmestelle und „Tabak-Börse“ der Familie Pulvermacher.

 

Solinger Strasse 2

Dieses Haus, welches an der Ecke Solinger Strasse/ Hauptstrasse liegt, ist ein verschiefertes Fachwerkhaus in dessen Giebel sich eine alte, heute nicht mehr benutzte Ladeluke befindet.  Die rĂŒckwĂ€rtige Traufseite ist mit Blechschiefer verkleidet. Damals wurde das Haus als Bauernhof und GaststĂ€tte genutzt. Die Fenster und der kleine Ladenbau sind aus dem 19. Jahrhundert.

Heute stellt dort die Firma „Windmann und Schneider“ ihre ElektrogerĂ€te aus.

 

Denkmalschutz

Der Dorfkern mit der evangelischen Bauernbarock-Kirche und den FachwerkhĂ€usern ringsum wurde 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Damals sagte der Kunsthistoriker Dr. Andreas StĂŒrmer:

„Witzhelden ist das schönste intakte Dorf
des ganzen Rheinisch-Bergischen Kreises.“

Stellungnahme

Der Ortskern von Witzhelden ist fĂŒr mich, wie auch fĂŒr viele andere Bewohner Witzheldens, etwas Besonderes. Allein schon, dass die Kirche im Kern von Witzhelden steht, signalisiert ihre Machtposition. FrĂŒher schienen dadurch Normen und Werte der Kirche im Zentrum des Lebens zu stehen.

Ohne diesen Ortskern wĂŒrde in Witzhelden etwas fehlen. Wenn die Kirche nicht mehr dort stehen wĂŒrde, wĂŒrde vielleicht ein Baum den Platz ersetzen können, jedoch nie ihre Bedeutung fĂŒr die Leute, denn sie ist ein Teil von uns und unserem Dorf. Abgerundet durch den schönen Marktplatz und die HĂ€user bildet sie außerdem einen Platz zum Entspannen.

Siegfried Sonnenberg vom Presbyterium sagte dazu: „Wenn ich aus dem Urlaub nach Hause komme, dann fahre ich immer an der Kirche vorbei, denn sie signalisiert mir: Hier bin ich zu Hause!“
 

Christliche & europÀische Architektur prÀgen das Bild

Romanik (Turm) und SpÀtromanik (Teile der Kirche)

FĂŒr die romanischen Architektur (etwa 950 bis 1150) sind Wölbungen, hervorgerufen durch Kreuzgrat oder Kreuzrippen, Rundbögen, welche man vor allem an Portalen, Fenstern und Arkaden findet, massive Mauern und kleine Fenster- und TĂŒröffnungen sowie SĂ€ulen typisch. Oftmals wurde nur mit Holz und Stein gearbeitet; auf Verziehrungen wurde weitestgehend verzichtet, sodass die Bauweise ziemlich streng wirkt.

Diese Epoche zeichnete sich durch wehrhafte TĂŒrme und klar strukturierte InnenrĂ€ume aus.

Die Grundrisselemente sind Quadrat und Kubus.

Die SpÀtromanik umfasst den Zeitraum von 1170 bis 1190. Der Stil unterscheidet sich eigentlich nicht vom romanischen Stil.

 

 

 

 

 



Barock (Kirche)

Das barocke Epoche bezieht sich auf das 17. und auf den Anfang des 18. Jahrhunderts. Als Grundelement gilt die Bewegung, die Dynamik. Diese Dynamik stellt man besonders an den Skulpturen und Bildern fest, die Frauen und auch MĂ€nner abbilden. Auch die Formen sind dynamisch: Kurven wechseln sich mit Ellipsen ab. Dadurch gibt es kaum grade Linien, sondern ovale und runde Formen.

Die Bauten sind oftmals symmetrisch. Erstaunlich ist, dass viele der romanischen und gotischen Kirchen innen barockisiert worden sind, wie auch die Kirche in Witzhelden.

Die Kirchenschiffe gingen nun mehr in die Breite und nicht, wie zuvor, in die LĂ€nge. Licht und Schatten spielten eine sehr große Rolle, genauso wie Statuen, große DeckengemĂ€lde oder Ă€hnliches zur Verzierung. In diesem Zeitalter vollendete sich die Entwicklung vom Turm zum Risalit.

Der Bauernbarock ist eine Art Volksarchitektur. Dabei ließen sich die Architekten von den großen Herrensitzen oder BĂŒrgerhĂ€usern inspirieren.


KlÀrung architektonischer Begriffe aus dem Text

Mansardendach

Das GebÀude, wo dieses Dach zum ersten Mal auftauchte, war das Versailler Schloss. Von dem Architekten stammt auch dessen Name: Mansarde.

Diese, etwas eigenwillige Konstruktion mit den gebrochenen DachflÀchen, schafft mehr Wohnraum.

Das Mansardendach besteht aus zwei DÀchern mit unterschiedlicher SchrÀge. Der untere Teil des Daches ist sehr steil gebaut. Der darauf gesetzte Teil bildet ein kleines Dach, die Mansarde.

 

 

Moselschiefer
Der Moselschiefer wurde schon ab 1850 nach seinem Transportweg benannt. Der Transport erfolgte ĂŒber die Mosel. Mittlerweile hat sich dieser Name zu einem QualitĂ€tsbegriff etabliert.
Kathedralglas
Diese Art von Glas setzt sich aus gegossenem Flachglas und eingewalztem Ornament zusammen. Die hĂ€ufig fĂŒr Kirchenfenster verwendete Glasart ist unregelmĂ€ĂŸig klein- oder großgehĂ€mmert.
Laibungen
Als Laibungen bezeichnet man die seitlichen, je nach Sichtweise auch die inneren FlĂ€chen von Wandöffnungen, die fĂŒr Fenster und TĂŒren vorgesehen sind.
Tuffstein
Der Tuffstein ist ein verfestigter Vulkanauswurf. Durch die natĂŒrliche Entstehung variiert auch die GrĂ¶ĂŸe, die mineralische Zusammensetzung und die Farbe (grĂ€ulich, grĂŒnlich, gelblich, rötlich und violett).
Pyramidendach
Wie der Name schon sagt hat das Dach die Form einer Pyramide. Somit sieht das GebĂ€ude an allen Seiten gleichmĂ€ĂŸig aus. Diese Art von Dach ist typisch fĂŒr frĂŒhromanische TĂŒrme und Kirchen.
Traufseite
Als Traufseite bezeichnet man die tiefste Seite eines Hauses.
Apsis
Eine Apsis ist eine halbrunde Nische in einer Kirche. SpĂ€ter wurde auch der dem Kirchturm gegenĂŒber liegende, halbrunde Teil als Apsis bezeichnet.
Staufische Kunst
Diese andere Bezeichnung fĂŒr die SpĂ€tromanik erhielt den Namen aus dem Geschlecht der Staufer.
Bleiverglasung
Unter Bleiverglasung versteht man die Einfassung von GlÀsern mittels verlöteter Bleiruten.
Hohlziegel
Dieser Ziegel wurden bereits im Mittelalter verwendet. Die mit der Innenwölbung bezeichnet man als Nonne, die mit der Außenwölbung als Mönch. Der Übergang von zwei Nonnen wird mit einem Mönch abgedeckt.’
Zwerghaus
Das Zwerghaus wird auch Zwerchhaus oder Zwerchgiebel genannt und bezeichnet ein Haus, dessen Giebel quer zum Hauptdach verlÀuft.
Oberlicht
Das Oberlicht ist die Verglasung im oberen Bereich eines Raumes, wie man es zum Beispiel bei TĂŒren findet.
RĂ€hm
Das RĂ€hm oder RĂ€hmholz schließt den Fachwerkrand nach oben hin ab. In der Dachkonstruktion wird auch das parallel zum
First oder der Traufe liegende Holz im Dachverband unter dem Kehlbalken so bezeichnet.
Risalit
Das hervorspringende GebĂ€udeteil wird als Risalit bezeichnet.                              

Eine Facharbeit der SchĂŒlerin
Michaela Böllstorf
StÀdtisches Gymnasium Leichlingen
Jahrgangsstufe 12/II, 19.3.2004