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Die Wersbacher Mühle. In einem kühlen Grunde.... dieses alte Volkslied, auch heute noch gesungen, weckt Erinnerungen an Relikte der Vergangenheit, an plätschernde Bäche und längst verfallene Mühlen. Den älteren Generationen mag noch das Erlebnis einer laufenden Wassermühle im Gedächtnis sein, die in den Bachtälern beim Wandern zum Verweilen einluden. Eine dieser Mühlen war die im Wersbachtal in Witzhelden gelegene und erstmalig im
Jahr 1496 im Zuge von Erbstreitigkeiten erwähnte Wersbacher Mühle. 1647 ist sie im Besitz der Eheleute Jacob und Margaretha Busch. Als Pächter tritt ab 1687
Johann Busch auf, danach sein gleichnamiger Sohn Johann (um 1696 - 1751). “Es liegt auch eine MÜHLE IM KIRSPEL WITZHELDEN, AMT MISELOHE, DIE WERSBACHER MÜHLE genannt, ist Hennrichen Wersbach eigentümlich, hat keinen Zwang und gibt vom Wasserfluß vor “Erkenntnis” jährlich zu Martini in die Kellnerei Burg ein Malter Roggen Burgmaßen.” Auch in den Aufzeichnungen des Witzheldener und Leichlinger Lehrers und Heimatforschers Fritz Hinrichs, werden im Jahre 1697 Jacob Busch Erben als Eigentümer genannt. Aus den Kirchenbüchern der Ev. Kirchengemeinde Witzhelden geht hervor, dass am In seiner TOPOGRAPHICA DUCATUS MONTANI de AMBT MISELO von Erich Philipp
Ploennies aus dem Jahre 1715, ist die “mühl” am Wersbach, jedoch ohne nähere Bezeichnung, erstmals in einem Kartographischen Werk aufgeführt. Nachdem im Jahre 1809 durch eine kommunale Gebietsreform die Gemeinden Witzhelden und Bergisch Neukirchen (früher nur Neukirchen,
heute Leverkusen) zu einer Gemeinde vereinigt wurden, übernahm Johann Theodor Jühlicher das Amt des Bürgermeisters dieser Gemeinde
bis zum Jahre 1819. Dann gab es eine neue Vereinigung, und zwar Burscheid mit Witzhelden, und Neukirchen mit Opladen. Die Mühle braucht Wasser Theodor im Alter von 44 Jahren. Der Nachfolger Wilhelm Schmitz, ob er ein Verwandter der verstorbenen Anna Gertrud Jühlicher, geb. Schmitz ist, kann nicht belegt werden, trat scheinbar ein schweres Erbe an. Er legte im Jahre 1828 Einspruch, wegen zu hoher Besteuerung mit folgendem Wortlaut ein: “Die Wassermühle mit einem oberschlägigen Wasserrad liegt an der Wersbach, die ihren Ursprung an der dicht unterm Dorf Witzhelden entspringenden Parkbach und in dem von Höhscheid herkommenden kleinen Bächelchen hat, welcher beider Gewässer, in zwei Mühlenteiche geleitet, unterhalb derselben jenen Bach bilden, und diese dann auf die Mühle fließt. Das Wasserrad liegt in einem Gerinn und setzt die in der Mühle sich befindenden zwei Mahlgänge, einer für Korn, der andere für Weizen bestimmt, in Betrieb. Diese Mahlgänge können aber selbst bei dem stärksten Wasserzufluß, wegen der inneren Einrichtung und Bauart der Werke, nicht zugleich in Gang gesetzt werden. Die Mühle hat in der Periode von Johanni bis Michaelis, und nur in gewöhnlichen guten Jahren, kaum so viel Wasser, um täglich 1 ½ bis 2 Stunden mahlen zu können, und selbst in der übrigen Jahreszeit kann dieselbe nicht täglich anhaltend in Betrieb gehalten werden.” Eine weitere Information entnehmen wir aus der “Viebahn-Statistik” aus dem Jahre 1832 (Statistik und Topographie des Regierungsbezirks
Düsseldorf, herausgegeben von Hier heißt es: “ Es handelt sich um eine Getreidemühle, bestehend aus 1 Wohnhaus, 1 Mühle und 3 landwirtschaftlichen
Gebäuden. 6 Menschen leben dort; hingegen waren es 1815/16 noch 11 Personen”. Der Bürgermeister forderte in einem Schreiben vom 6. Mai 1853 u.a. Friedrich Wilhelm Hager, zum “Nachweis der in der Bürgermeisterei Witzhelden vorhandenen gewerblichen Anstalten, welche nach §27 der allgemeinen Gewerbe Ordnung einer Conzession bedürfen”, zu erbringen. Hager antwortete mit Schreiben vom 26. September 1853 wie folgt: “Unterzeichneter Besitzer der Fruchtmahlmühle zu Wersbachermühle bescheinigt hierdurch, daß das hiesige Bürgermeister-Amt mich aufgefordert hat, die Conzession zu meinem Mühlenbetriebe nachzusuchen, sowie auch einen Pegel zu setzen. Diesen Aufforderungen werde ich nachkommen. Wersbacher Mühle, den 26. September 1853. “ Die Nachsuchung der Conzession bin ich jeden Augenblick bereit zu erfüllen, was jedoch die Setzung eines Pegels betrifft, bin ich
der Meinung, daß solcher bei meinem Betriebe indem ich durchaus mit meinem Wasserstauhens keinem zu nahe gez. Friedrich W. Haager.” Am 15. Dezember 1863 bricht ein Brand aus. (Akte Nr. 278 STA. Leichlingen, Bestand Witzhelden) Das Wohnhaus wurde nur geringfügig beschädigt, war jedoch zu 6500 Thlr. versichert. Der Stall, versichert zu 150 Thlr. brannte jedoch total ab. Für die Familie Hager ein harter Schlag. Wie aus der Brandakte hervorgeht, wurden die übrigen Bewohner als Zeugen zwecks Feststellung der Brandursache vernommen. Friedrich Wilhelm Hager gibt am 3. August 1872 im “Verkündiger an der Nieder-Wupper”, aus welchen Gründen ist nicht bekannt, folgende Anzeige auf: “Meine in der Bürgermeisterei Witzhelden gelegene Fruchtmahlmühle nebst Bäckerei und Knochenstampfe bin ich willens am 1. November
dieses oder 1. Mai k. Jahres, mit oder ohne Länderei, auf längere Jahre zu verpachten. Albert Richartz war aber nicht der Sohn von Witwe Friedrich Richartz, Emma geb. Hager, sondern gebürtig aus Leichlingen. Er heiratet am 13. März 1886 die Hedwig Kaiser aus Burscheid-Kaltenherberg. Die Eheleute Richartz besaßen 2 Kinder, Walter und Margaretha Catharina. Die Tochter heiratet 1914 in 1. Ehe Peter Johannes Thiel, Sohn des Peter Johannes Thiel, “Heilpädagoge” und “Odopath”, Besitzer eines
in Wersbach gelegenen Gütchens, welches er “Lebensheim” bezeichnete und eine Einrichtung für eine visionäre “Naturerziehungsanstalt
für verwaiste und uneheliche Kinder” sein sollte (s. Romerike Berge, Heft 1, 1996, S. 24-30). Strom aus Wersbach für Witzhelden Albert Richartz begnügte sich nicht mit der Tätigkeit als Müller und Landwirt, er baute im Jahre 1903 ein Maschinenhaus zur Stromerzeugung. Das Dorf Witzhelden wurde nun aus der Wersbacher Mühle mit Strom versorgt. Einer der ersten Abnehmer war Fritz Blasberg. In dem Vertrag von 1904 verpflichtet sich Richartz, für die Dauer von mindestens 15 Jahren
, elektrischen Strom für Licht- und Kraftzwecke zu liefern. Für Licht beträgt der Preis in Pauschalsumme von 100 Mark pro Jahr. Ab dem
Jahre 1909, nach Bau eines Transformatorenhauses, übernahm das Electrizitätswerk Berggeist, heute RWE, die Stromversorgung Witzheldens. Beliebtes Ausflugsziel “ Der Besitz liegt in dem herrlichen Tal des Vierschelsbaches und ist als ausgesprochens Ausflugs- und Wanderziel anzusprechen.”
Wie üblich liegt dem Gesuch ein Bau- und Situationsplan bei. Die Kriegs- und Nachkriegszeiten verhinderten jedoch eine Eröffnung des
Gastronomiebetriebes. Das Stadtarchiv Opladen (jetzt Leverkusen) nahm die versteckte und sichere Lage der Mühle zum Anlaß, den wertvollen Oligschläger-Nachlaß, in Kisten verpackt, bis zum Kriegsende dorthin auszulagern. Nach Kriegsende dienten die Räumlichkeiten zur behelfsmäßigen Unterbringung von Flüchtlingsfamilien. Als sich in den 50-ziger Jahren die wirtschaftliche Lage gebessert hatte, begann
August Weltersbach mit dem Ausbau einer “Kaffeewirtschaft”. Das vollständige Aus kam am Morgen des 2.Oktober 1974 um 6.50 Uhr. Die Mühle brannte völlig nieder.
Es war still geworden im Wersbachtal, bis zum Jahre 1984. Der Kölner Stadtanzeiger berichtete am 24.
Februar 1984 u.a: “Wersbacher Mühle in ganz neuem Kleid. Der Neubau ist nur als Hotel genehmigt. Bauverwaltung beobachtet Bau besorgt. Leichlingen. – Zehn Jahre ist es her, daß die Wersbacher Mühle,
seinerzeit Ausflugsbetrieb mit Gaststätte, Kegelbahn und einer Wohnung des Gastwirtes, bis auf die Grundmauern abbrannte. Seit ein paar Jahren schon wollen die
Grundstückseigentümer die “Mühle” neu aufbauen – als Appartementhaus mit Hotelbetrieb, in dem 14 Wohnungen als Eigentum verkauft werden sollen. Hart
an der Grenze der gesetzlichen Möglichkeiten liegt dieser “Hotelbetrieb”, für den die Baugenehmigung erteilt wurde.” Die Klinik Wersbach Im Jahre 1992 wurde das Tal mit Baulärm erfüllt, mit Baggern und Bohrern sind Bauarbeiter damit beschäftigt, das alte Fundament des gescheiterten Hotel-Projekts zu beseitigen. Eine Rehabilitationsklinik für chronische Hautkrankheiten soll im Wersbachtal gebaut werden. Anfang 1995 war es dann soweit, die ersten Patienten konnten kommen, um hier in der waldreichen Umgebung Heilung zu finden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Eigentümerwechsel und diversen Umbauten ist die Klinik Wersbach heute eine Station für Psychosomatische Medizin geworden, mit Spezialabteilung für psychosomatische Dermatologie und Allergologie unter der Leitung eines ärztlichen Direktors und seinem qualifizierten Team.
Dem Chefarzt stehen 3 Oberärzte, 4 Stationsärzte und 12 Pflegedienst-mitarbeiter/innen zur Seite. Die 59 Zimmer, fast nur Einzelzimmer,
mit 63 Betten sind meist voll belegt. Für ein “modernes Marketing” der Klinik ist Geschäftsführer Herr Kurt K.H. Lammert mit 7 Angestellten zuständig. Nämlich den Zusammenhang Haut/Psyche bzw. Allergie/Psyche besonders zu beachten. Zur Behandlung gelangen können Patienten mit Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien, Nesselsucht, Schuppenflechte, Haarausfall, Sklerodermie, sogenannte Artefaktkrankheiten und viele andere mehr. Behandelt wird mit Licht-Bäder (Sole), Salbentherapie. Neben der äußerlichen Behandlung ist die psychotherapeutische Betreuung wichtig. So werden die Patienten von einer Gestaltungs-, einer Tanz-, einer Musik- und einer Psychotherapeutin während ihres Klinikaufenthaltes begleitet. Da auch eine gesunde Ernährung für eine erfolgreiche Heilung wichtig ist, beschäftigt die Klinik Wersbach 4 qualifizierte Mitarbeiter in der
Küche. Selbstverständlich ist hierbei die Zubereitung eines diätetischen Speiseplans, sollte dies vom behandelnden Arzt verordnet werden. Hier im stillen Wersbachtal, wo sich einst das Mühlrad drehte, finden kranke Menschen Ruhe, Erholung und Heilung. Quellen: Aus der Sammlung Lore May , Witzhelden 8/2000 |
