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Otto Wiedenhoff wurde am 30.6.1897 und sein Bruder Leo Wiedenhoff am 10.10.1899 in Witzhelden-Flamerscheid geboren. Im Alter
von 27 bzw. 25 begannen sie damit, ein Verkehrsunternehmen zu gründen und für das Höhendorf Witzhelden öffentliche Verkehrsverbindungen zu den umliegenden Städten zu schaffen.
Nur eine Postkutsche
Im Jahr 1907 gab es nur eine Postkutsche, die einmal täglich zwischen Hilgen und Witzhelden
verkehrte. Die Postkutsche wurde wenige Jahre später durch zwei Pferdeomnibusse ersetzt, aber erst 1913 verkehrte zum ersten Mal ein privater Kraftomnibus auf den Strecken nach Hilgen und
über Wupperhof auch nach Solingen. Im ersten Weltkrieg führte die Gemeinde Witzhelden den Betrieb in eigener Regie notdürftig weiter, bis sich 1919 wieder ein privater Unternehmer dafür fand.
Doch bereits 10 Monate später wurde das Unternehmen ein Opfer der schlechten Versorgungslage. Länger als 3 Jahre blieb Witzhelden dann wieder ohne öffentliche Verkehrsmittel Kein Verkehrsunter- nehmen im Rhein-Wupper- Gebiet wagte, die
Witzheldener Linien zu befahren. Aber in Witzhelden gab es zum Glück den sehr engagierten Bürgermeister Gustav Marquardt, der an dieser schlechten
Situation etwas ändern wollte. Marquardt wusste von dem umgebauten Funkwagen, der bei den Wiedenhoffs auf dem Hof stand. Es handelte sich um ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug, welches von den Brüdern
Wiedenhoff zum Buttertransport vorgesehen war.
Personen statt Butter befördern
Im Januar 1924 suchte Marquardt die Brüder Wiedenhoff in Flamerscheid auf. Es bedurfte schon einiger Überredungskünste, um Otto und Leo Wiedenhoff
davon zu überzeugen, dass sie ihre Pläne für den Buttertransport zur Seite legen und statt Butter Personen befördern sollten. 
Aber der Bürgermeister hatte Erfolg.
Witzhelden bekam wieder eine Omnibuslinie und die Brüder Wiedenhoff hatten sich von Fuhr- zu Busunternehmern gewandelt.
Versehen mit zwei Holzbänken und einigen zusätzlich eingebauten Glasscheiben startete der ehemalige Funkwagen als zehnsitziger Omnibus am 1.
Februar 1924 zu seiner ersten Fahrt auf der Linie Witzhelden-Hilgen-Solingen. Die Fahrgäste saßen dicht gedrängt zwischen Körben und Kisten, aber der Bus “donnerte” mit 20 PS die Höhen
des Bergischen Landes hinauf. Wurde es zu steil, mussten die Fahrgäste eben aussteigen und den Berg “per Pedes” erklimmen. Die Zuneigung zu ihrem Omnibus wurde für die Witzheldener
dadurch aber nicht geringer. “Höhnerböhn” nannten sie ihn, weil es so eng und gedrängt wie im Hühnerstall in ihm zuging.
Ein Busunternehmen entsteht
Das Geschäft lief gut und die Jungunternehmer nahmen Kredite auf und investierten in ihr Busunternehmen. Bereits am 3. April 1924 schafften die Gebrüder
Wiedenhoff einen nagelneuen Dixi-Omnibus an. Der neue Omnibus verkehrte zunächst dreimal täglich von Witzhelden nach Hilgen und einmal von Witzhelden
nach Solingen und von dort nach Widdert. Diesem renommierten Fahrzeug mit lederbezogenen Polsterbänken, elektrischer Innen- und Außenbeleuchtung,
Entlüftungsklappen, Anlasser und Sirene folgten schon sehr bald vier weitere Dixies aus der Autoschmiede Eisenach (heute BMW).
Um nun die neuen Fahrzeuge während der Standzeiten vor der Witterung zu schützen und an ihnen arbeiten zu können, begannen die Gebrüder Wiedenhoff in
Witzhelden mit dem Bau einer neuen Garage. Die Brüder hatten auch auf Grund der Aufgabenteilung Erfolg. Otto Wiedenhoff war für die technischen Fragen
zuständig, sein Bruder Leo trug die Verantwortung für die kaufmännischen Belange. Aber auch die anderen Wiedenhoff-Brüder waren mittlerweile im Betrieb
aktiv: Alwill wurde die Reparaturwerkstatt übertragen und Kuno nahm die Kundenbetreuung wahr und leitete später die Solinger Großgarage. Der Betrieb war zu einem Familienunternehmen geworden:
Gebrüder Wiedenhoff.
In den Jahren nach der Gründung des Unternehmens kam es den Otto und Leo Wiedenhoff zugute, dass ihnen zwei Männer zur Seite standen, die mit
Erfahrung und fachlichem Können halfen, die Entwicklung des Unternehmens voranzuführen: Geschäftsführer Peters und Bürgermeister Marquardt, der nach
seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsdienst im Jahr 1930 ebenfalls Geschäftsführer der Firma wurde.
Wirtschaftliche Probleme müssen gemeistert werden
Schon 1925 hatte das Kraftverkehrsunternehmen mit dem Bau der Garagenanlagen in Witzhelden begonnen. Diese Großinvestition der Gebrüder
führte aber schon bald zur ersten ernsten Krise, denn infolge des wirtschaftlichen Niedergangs im Rheinisch-Westfälischen-Industriegebiet nahm
der Verkehr immer mehr ab und das Unternehmen geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Als in dieser Situation die Stadt Solingen die
Straßenbahnlinie Solingen-Widdert eröffnete, wurde der Linienverkehr hier für die Wiedenhoff-Omnibusse völlig unrentabel, so dass der Betrieb eingestellt
werden musste. Otto und Leo Wiedenhoff, Geschäftsführer Peters und Bürgermeister Marquardt versuchten, Konzessionen für andere Strecken zu
erhalten. Alle Anträge wurden aber abgelehnt. Auch ein Ausweichen in den Gelegenheitsverkehr, in Postbeförderung und Schülerbringdienste brachte nur
geringen Erfolg. Die Schulden drohten dem Unternehmen über den Kopf zu wachsen. Aber die Gebrüder Wiedenhoff gaben nicht auf. Ein Omnibus wurde mit
Verlust verkauft, die anderen wurden gepfändet. Genauso erging es der Werkstatteinrichtung mit allen Maschinen, ja selbst den Möbeln und dem Hausrat der
Firmeneigentümer. Der Konkurs stand in bedrohlicher Nähe, aber das Unternehmen überlebte auch die Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929.
Im Jahr 1930 ging es wieder aufwärts. Bürgermeister Marquardt gelang es, die von der “Rheinbahn” in Solingen befahrenen Strecken für die Firma
Gebr.Wiedenhoff zu gewinnen. Nun fuhren Wiedenhoff-Omnibusse auf den Linien Solingen-Wald-Haan, Solingen-Löhdorf-Ohligs und Solingen-Katternberg.
Der Konsolidierung des Betriebes entsprach der Ausbau der Verwaltung. Marquardt hatte sein Büro in Solingen, Am Birkenweiher. Für die Omnibusse,
denen die weiten Anfahrwege von Witzhelden erspart werden sollten, wurden Unterstellräume im alten Elektrizitätswerk angemietet. Auf den grünen Omnibussen war schon seit einigen Jahren die Aufschrift
“Kraftverkehr Gebr.Wiedenhoff, Solingen” zu lesen. Am 26.Februar 1936 ließ sich die Firma in das Solinger Handelsregister eintragen. Damit war ihr
Geschäftssitz formell verlagert worden, der Stammsitz Witzhelden blieb aber erhalten. Durch den Erwerb eines Teiles der Linderschen Fabrik an der Bismarckstraße
entstand hier der Zweitsitz des Familienunternehmens.
Der 2.Weltkrieg stoppt weitere Pläne des Unternehmens
Um das Unternehmen auf eine möglichst breite Basis zu stellen, wurden 1938 in Solingen 5 Omnibusse für den Gelegenheitsverkehr zugelassen. Die Einrichtung
eines eigenen Reisebüros, der Bau einer Tankstelle und die Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsunternehmen förderten diese Entwicklung.
Der Ausbruch des 2.Weltkrieges 1939 stoppte die weiteren Pläne des Unternehmens abruppt. Der Gelegenheitsverkehr hörte schlagartig auf, Linien wurden
stillgelegt, Zubehör und Treibstoffverkauf kamen fast völlig zum erliegen. Im Verlauf des Krieges mussten fast alle Fahrzeuge für Kriegszwecke abgegeben
werden. Dabei wurden 8 Omnibusse zerstört, 6 weitere bis zur Schrottreife strapaziert.
Luftangriff auf Solingen zerstört Anlagen an der Bismarckstraße
Der Luftangriff auf Solingens Südstadt am 4.November 1944 zerstörte die Anlagen an der Bismarckstraße nahezu vollständig. Nach dieser Katastrophe zogen
sich die Brüder auf den Witzheldener Besitz zurück. Dort staute sich in den Hallen das Material und dort standen die wenigen übrig gebliebenen Wagen.
Während der letzten Kriegsmonate begann das Räumen von Trümmern und Schutt in den Solinger Betriebsanlagen. Inmittelbar nach Kriegsende wurde mit dem
Wiederaufbau begonnen und schon im Frühjahr 1946 konnten zwei Hallen, einige Garagen und Büroräume wieder genutzt werden. !947 musste der gesamte
Solinger Betrieb an die Besatzungsmacht abgegeben werden. Diese gab ihn erst ab 1949 nach und nach an die Eigentümer zurück.
Von Witzhelden aus gelingt der Wiederaufbau
Die Witzheldener Anlagen waren vom Krieg weitgehend verschont geblieben. Von hier aus konnte der Wiederaufbau gesteuert und die Geschäftsentwicklung
neu in Gang gesetzt werden. Die meisten alten Mitarbeiter waren aus Krieg oder Gefangenschaft zurückgekehrt. So konnte die Familie Wiedenhoff, damals waren
vier Brüder, zwei Neffen und mehrere entfernte Verwandte im Unternehmen tätig, den Wiederaufbau vorantreiben. In einem Rückblick auf die ersten 25 Jahre des Bestehens der Firma konnte
festgestellt werden: “Treten nicht unvorhergesehene Ereignisse ein, ist der Bestand der Firma gesichert.” In den Jahren nach der Währungsreform begann die Wiederbelebung der Firma.
1950 fuhren schon wieder 16 Wiedenhoff-Busse auf den Straßen des Bergischen Landes. Auch der Ausbau zum Reiseunternehmen nahm Fahrt auf. Die erste
große Fahrt nach dem Krieg führte 1951 mit drei Omnibussen nach Österreich.
Otto und Leo Wiedenhoff sterben beide im Jahr 1953
Den Firmengründern Otto und Leo Wiedenhoff war es trotz ihres frühen Ablebens vergönnt, die ersten Erfolge des Wiederaufbaus noch miterleben zu
dürfen. Als beide im Jahr 1953 starben, Otto am 3.2. und sein Bruder Leo am 27.11.1953, waren nicht nur die Spuren des Krieges in ihrem Unternehmen ausgelöscht. Die Firma war auf einem guten Weg.
Die Kinder Helmut Wiedenhoff (Sohn von Otto) und Inge Knecht, geb.Wiedenhoff (Tochter von Leo) führten das Unternehmen in Familientradition weiter. Seit Mitte der 90er Jahre führen die Enkelkinder das
Unternehmen, das mittlerweile über 100 Mitarbeiter beschäftigt und 4 Reisebüros in Witzhelden, Solingen und Remscheid betreibt. Von den Werkshallen in Witzhelden und Solingen aus sind über 40 Linien-und
Reisebusse im Einsatz.
Quellen: Jubiläumsschriften zum 50- und 75jährigen Bestehen der Firma Gebr.Wiedenhoff
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