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Johann Wilhelm Wilms wurde am 30. März des Jahres 1772 in Witzhelden getauft. Sein exaktes Geburtsdatum ist nicht mehr zu ermitteln, dürfte aber, damaligem Brauch entsprechend, etwa 1-6
Tage vorher liegen.
Wenn man all dies weiß, muss es umso mehr verwundern, dass für den lange Zeit allein erziehenden Vater noch Zeit blieb, die
musikalische Ausbildung zumindest zwei seiner Kinder selbst vorzunehmen. Ja, darüber hinaus wird sogar von täglichen
Musizierstunden im Schulhaus berichtet. Johann Wilhelm und sein älterer Bruder Peter Johann sind von ihrem Vater in den
Fächern Musiktheorie und Klavierspiel immerhin so weitgehend unterwiesen worden, dass sie als Musiklehrer und Organist ihren
Beruf ausüben konnten.Späterhin wird auch der ältere Peter Johann, der schon in jungen Jahren als Organist und Lehrer in
Elberfeld ansässig wurde, an der Ausbildung seines Bruders Johann Wilhelm mit beteiligt gewesen sein und so den Unterricht
des Vaters und die ergänzenden theoretischen Unterweisungen des örtlichen Dorfpfarrers begleitet haben. Der genaue Zeitpunkt, zu dem Johann Wilhelm, noch als Jugendlicher, Witzhelden verließ, um sich zunächst
in Lüttringhausen als Privatmusiklehrer niederzulassen, ist nicht bekannt. Der frühere Witzheldener Pfarrer und väterliche Freund war dorthin berufen worden und hat wahrscheinlich seine Entscheidung, das
elterliche Schulhaus zu verlassen, beeinflusst. Wilms muss sich jedoch schon recht bald entschlossen haben, seinem Bruder Peter Johann nach Elberfeld zu folgen.
Ein ausgeprägtes Musikleben mit Konzertveranstaltungen und Möglichkeiten zu geistigem Austausch mit anderen Künstlern
suchte Wilms hier allerdings vergebens. Öffentliches Musikleben war, soweit überhaupt vorhanden, kirchlich dominiert, darüber hinaus gehendes freies künstlerisches Schaffen als
emanzipathorisch von der Obrigkeit verpönt. Allein in einzelnen aufgeschlossenen Bürgerhäusern wurde Kammermusik gepflegt und Wilms die Gelegenheit gegeben, als Klavierlehrer ein bescheidenes Auskommen zu finden. Heirat und Familiengründung In Amsterdam angekommen, fand Wilms sich bald in den Zirkeln
angesehener Komponisten und Musiker zurecht und verstand es, sich als Flötist in verschiedenen Orchestern, als Klaviersolist
und als Lehrer ambitionierter Studenten einen Namen zu machen. Diese rasche Anerkennung und seine zunehmenden Erfolge
als Komponist veranlassten ihn schon nach kurzer Zeit, sich endgültig hier niederzulassen. 1805, im Alter von 33 Jahren,
heiratete er seine vierzehn Jahre jüngere Klavierschülerin Nicoletta Theodora Versteegh (aus der Heiratsurkunde im Archuv der
Stadt Amsterdam ist interessanter Weise zu entnehmen, dass vermutlich falsche Angaben gemacht wurden, um den großen
Altersunterschied um drei Jahre zu verringern). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Eines verstarb bereits im Alter von zwei Jahren. Seine Frau Nicoletta starb im Jahr 1821, also lange vor ihrem um vieles älteren Mann
Komponist der Niederländischen Nationalhymne Großes Ansehen, sogar über die Grenzen der Niederlande hinaus, genoss Wilms vor allem aufgrund seines kompositorischen
Schaffens. Bekannte Amsterdamer Orchester führten seine Werke auf und für seine Sinfonie in d-Moll wurde er mit einem internationalen Preis ausgezeichnet. Wilms stirbt am 19.Juli 1847 Vermutlich war es diese Erkenntnis, oder auch die Erfahrung persönlichen Leids durch den Tod seiner Frau und eines Kindes,
die ihn veranlasste, sich mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück zu ziehen und bei passender Gelegenheit eine Stellung in der Mennonitischen Gemeinde “Het Lam” anzunehmen
. Dort wirkte er vom Jahr 1823 an als Gemeindeorganist. Nach über zwanzigjähriger Tätigkeit, im Alter von 73 Jahren, bat er aus Krankheitsgründen um den Abschied in den Ruhestand. In
Ermangelung eines geeigneten Nachfolgers wurde ihm dieser allerdings erst ein Jahr später gewährt. Sein Augenlicht war
inzwischen nahezu erloschen. Er verstarb in seiner Wahlheimat Amsterdam am 19.Juli 1847 an Altersschwäche. Johann Wilhelm
Wilms ist also in den letzten Jahren seines Lebens wieder zum Beruf seiner Vorfahren, ins Organistenamt zurück gekehrt, ob er
allerdings jemals seine alte Heimatgemeinde Witzhelden im Bergischen Land wieder aufgesucht hat, ist ungewiss. Belege
hierüber finden sich nicht. Er ist nicht verarmt und unbekannt verstorben, wie es das Schicksal manch anderen Tonsetzers
gewesen ist. Doch der Zeitgeschmack hatte sich an ihm vorbei weiter entwickelt, so dass er zum Ende seines Lebens nurmehr
als der, wie es in einer zeitgenössischen Quelle heißt, “Komponist van het Volkslied (gemeint ist `Wien Neerlandsch Bloed`) te
regt beroemde Wilms” (Komponist des Volksliedes zu recht berühmte Wilms) der jüngeren Generation bekannt war. Das kompositorische Werk Das kompositorische Gesamtwerk Wilms`kann man getrost als umfangreich bezeichnen, zumal das Komponieren nie sein hauptsächlicher Broterwerb gewesen und meist auftragsgebunden und unter Zeitdruck stattfand. Wilms selber bezeichnete seine Werke als “lediglich die Früchte der Stunden, die ihm nach seinen vielfältigen und ermüdenden täglichen Arbeiten übrig blieben.”Diese Äußerung entspricht ganz Wilmsscher Bescheidenheit und läßt nicht die tatsächliche Vielfalt seines Schaffens erahnen. Es umfasst mindestens 22 Kantaten für Soli, Chor und Orchester, - allesamt Gelegenheitswerke und Auftragskompositionen, die anläßlich verschiedenster Feierstunden oder Gedenkfeiern aufgeführt wurden. Einen sehr breiten Raum im Werkverzeichnis nehmen auch die Lieder und Gesänge, vorwiegend mit vaterländisch niederländischen Texten in verschiedener Besetzung, ein. 34 Veröffentlichungen mit oft mehreren Titeln sind hier belegt. Insgesamt noch umfangreicher ist der Bereich der Instrumentalmusik in Wilms` Schaffen. Allein sieben Sinfonien entstanden in der Zeit von 1801 bis 1836, in denen Wilms einen durchaus eigenständigen Umgang mit den Vorbildern seiner Zeit beweist und persönlichen Stil entwickelt, der ihn vom Makel der zweckgebundenen Gelegenheitskantaten befreit. Quelle: Heft der Veranstaltungsreihe “Leichlinger Köpfe und Charaktere” der Stadtsparkasse Leichlingen vom November 1995 |
