„Totos“ Traum vom Titel
VON LARS HEPP

 
Einfach zum Jubeln: Der gebürtige Witzheldener Torsten Jansen nach dem spannenden Spiel gegen Spanien in der KölnArena.

(RP) Der in Witzhelden aufgewachsene Torsten

Einfach zum Jubeln: Der gebürtige Witzheldener Torsten Jansen nach dem spannenden Spiel gegen Spanien in der KölnArena.
Foto: Patrik Stollarz/ddp

Jansen gehört zur deutschen Handball-Nationalmannschaft, die zurzeit bei der Weltmeisterschaft von Erfolg zu Erfolg eilt. Er meint: „Mit diesen tollen Fans können wir Weltmeister werden.“

„So ein Tag, so wunderschön wie heute“, hallte es mit voller Lautstärke durch die KölnArena. Gerade hatte sich die Deutsche Handball-Nationalmannschaft im Viertelfinale der Weltmeisterschaft vor über 19 000 Zuschauern gegen Titelverteidiger Spanien durchgesetzt und trifft heute Abend in der Vorschlussrunde auf den amtierenden Europameister Frankreich. Und mittendrin bewegte sich mit Torsten „Toto“ Jansen der Held der Begegnung – mit sechs Toren hatte der 30-Jährige maßgeblichen Anteil am Sieg. „So ein Spiel wirst Du Dein ganzes Leben nicht mehr vergessen. Diese ganzen Eindrücke sind schon äußerst bewegend“, sagte der in Witzhelden aufgewachsene Außenspieler, der beim Bundesligisten HSV Hamburg unter Vertrag steht.

Standen in den vergangenen Jahren stets Spieler wie Stefan Kretzschmar oder Daniel Stephan im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, so wurde diesmal Jansen selbst dieses Los zuteil. Unzählige Autogramme oder Fotoshootings galt es zu erfüllen, ganz zu schweigen von Glückwünschen per Handschlag oder Handy. „Mit dieser Begeisterung im Rücken geht so vieles leichter“, betont Jansen und hofft heute auf noch lautstärkere Unterstützung gegen die Franzosen.

Bei diesen Titelkämpfen macht die deutsche Mannschaft nicht nur selbst eine Steigerung durch, von Spiel zu Spiel haben sich auch die Fans verbessert. „Berlin war als Auftakt schon super, Halle war besser. Eigentlich dachte ich, die Stimmung in Dortmund sei nicht zu toppen, doch was sich in Köln abgespielt hat, ist unbeschreiblich“, gab Jansen das Meinungsbild der gesamten Mannschaft wieder.

Auf die Frage, was die DHB-Auswahl noch erreichen wird, kommt Jansen nur zu einer Folgerung: „Mit diesem Anhang im Rücken kannst du eigentlich nur Weltmeister werden. Wenn wir unsere gute Form halten können, dann haben wir dazu sicherlich alle Chancen.“

Einen extremen Kontrast bildete der gestrige freie Nachmittag, als Freundin Anke mit Baby Hanna ins oberbergische Wiehl zu Besuch kam. Die Nationalspieler hatten frei und durften allesamt die Familien empfangen.

Seit dem 19. Dezember hat sich für Torsten Jansen aber der Mittelpunkt vom Handball auf die Familie gerichtet. „Man lernt einfach ganz andere Seiten des Lebens kennen. Und mit dem kleinen Knirps ist derzeit jeder Tag nur spannend“, sagt Jansen. So wie bei der Weltmeisterschaft, die noch bis Sonntag in Köln stattfinden wird.

Presseartikel und Fotos zur Handball WM

Titelbericht Kölner Stadtanzeiger vom 31.1.07

Rheinische Post vom 31.1.07

Das ganze Höhendorf fiebert mit Torsten
VON ANA OSTRI´C, 02.02.07

Jubel beim TV Witzhelden: Auf einer Großleinwand verfolgte die Handballabteilung das Halbfinale, nach dem Schlusspfiff reckten alle erleichtert die Hände in die Höhe.

Maria und Helmut Jansen, die Eltern von Torsten Jansen, der seine ersten Schritte beim TV Witzhelden machte, fieberten mit ihrem Sohn.
Leichlingen - „Der wollte das schon immer.“ Der, das ist Torsten Jansen. Was der Linksaußen aus Witzhelden schon immer wollte, erklärt sein ehemaliger Mitspieler Sascha Pauly: „Wenn wir in der Jugend nach dem Training ein Bier getrunken haben oder mit den Hühnern um die Häuser gezogen sind, hat der Torsten weiter trainiert.“ Einsatz und Ehrgeiz haben den 30-Jährigen aus seinem Heimatort in die Kölnarena geführt. Es ist Halbfinale, Deutschland spielt gegen Frankreich, und die Handballabteilung des TV Witzhelden hat sich an diesem Donnerstagabend vor einer Leinwand versammelt.

Bangen und Jubeln

Trainer, Spieler und Kinder sitzen auf Bänken, Tischen und Stühlen im Foyer der Turnhalle. Als sich gegen Ende der zweiten Halbzeit eine Verlängerung anbahnt, zeichnen sich Freude und Verzweiflung, Bangen und Hoffen auf den Gesichtern der Handballfans aus dem Höhendorf ab. Wer aus dem deutschen Team nicht trifft, wird beschimpft. „Hast du vergessen, wie man Handball spielt“, muss sich Rückraumschütze Pascal Hens nach missglückten Wurf aufs Tor der Franzosen anhören.

Mittendrin in der Kölnarena sind an diesem Abend die Eltern von Torsten Jansen. Vor der Abfahrt zum Halbfinale schwärmte Vater Helmut von der einmaligen Atmosphäre in der 19 000 Zuschauer fassenden Halle: „Ach fantastisch, sowas habe ich noch nicht erlebt.“ Der 65-Jährige war früher selbst aktiver Handballer, stand für Witzhelden und Solingen 95 im Tor. Nicht verwunderlich also, dass der Filius schon früh in die Fußstapfen trat: „Sobald der Torsten krabbeln konnte, hatte er den Ball in der Hand.“ Und auch die anderen beiden Jansen-Sprösslinge, der 21-jährige Achim und die 26-jährige Miriam, spielen in der Handball-Regionalliga. Nur selten sei der älteste Sohn in Leichlingen zu Gast, die Bundesligaspiele für den Hamburger Sportverein ließen nur wenig Zeit für Besuche in der Heimat. Jansens Lebensgefährtin Anke kommt übrigens auch aus Witzhelden. Mit Baby Hanna hat auch sie Torsten Jansen in der Kölnarena angefeuert. Deshalb ist sich Vater Helmut sicher: „Seine Familie gibt ihm Kraft.“

„Der trifft immer“

Als Torsten Jansen in der Verlängerung aufs Spielfeld kommt, singen die Mädchen in der ersten Reihe seinen Namen. Dass der Spieler mit der Nummer 15 in Witzhelden aufgewachsen ist, weiß hier, so scheint es, jedes Kind. Nina Windmann, D-Jugend-Spielerin, sitzt mit Freundin Rebecca auf einer Matte. Mit Chips und Malzbier in den Händen feuern sie die Nationalmannschaft an. „Mein Lieblingsspieler ist Torsten Jansen“, versichert die zwölfjährige Nina, „der trifft immer.“ Munter singend schwenkt sie eine Deutschland-Fahne, auf dem Kopf eine schwarz-rot-goldene Perücke.

Nach 80 Minuten Haare raufen und Fäuste ballen hat der Nervenkitzel ein glückliches Ende. Die Handballabteilung des Turnvereins liegt sich jubelnd in den Armen, es wird gehüpft und gesungen. Das Spiel ist aus, Deutschland ist im Finale - und auch ein Stück Witzhelden.

Kölner Stadtanzeiger vom 3.2.07

Förderverein Alter Wasserturm

Weltmeister kehrte heim ins Dorf
VON GÜNTER MÜLLER

Leichlingen - Aus den großen Musikboxen neben dem Pavillon auf dem Marktplatz in Witzhelden tönt der offizielle WM-Song der „Höhner“: „Wenn nicht jetzt, wann dann . . .“ Die Kirchenuhr zeigt exakt 15.15 Uhr. Ein kollektiver Aufschrei unterbricht abrupt die Zeit des Wartens. „Da ist er, da ist er!“ Er, Torsten Jansen, frisch gebackener Handball-Weltmeister, gab sich die Ehre und schaute am gestrigen Montag schnell mal bei den Eltern in der alten Heimat vorbei - und beim per Telefonkette spontan vorbereiteten Empfang „seines“ Turnvereins Witzhelden.

Bei all den Aktivitäten der letzten Stunden war der kurzfristig vereinbarte Blitzbesuch aus der Sicht eines Weltmeisters möglicherweise keine Selbstverständlichkeit. Der schnelle Linksaußen des deutschen Teams wirkte jedenfalls alles andere als amüsiert. „Der sieht ziemlich müde aus“, meinte ein weiblicher Fan und mutmaßte: „Das sind wohl die Folgen der ganzen Feierlichkeiten.“ In der Tat hatten die Schützlinge von Erfolgstrainer Heiner Brand am Sonntag im Kölner Rathaus und anschließend im Domizil in Wiehl ihre gute Kondition unter Beweis gestellt. Noch bis um fünf Uhr in der Früh sollen im Hotel im Oberbergischen am Montag Jubelgesänge gehört worden sein. Rund 250 junge und alte Handballverrückte waren am Nachmittag im Höhendorf zur Stelle, um Torsten Jansen zu huldigen. Der schrieb dann auch fleißig Autogramme auf Fähnchen, T-Shirts, Bälle und Käppis. Nach nur 15 Minuten war sein Auftritt allerdings schon wieder beendet. Ohne ein kurzes Wort des Abschieds täuschte Torsten Jansen links an und ging rechts vorbei an einer Horde wartender Kinder, die sogleich die Verfolgung aufnahm. Doch der Linksaußen ist schnell, nicht nur in der Halle, auch auf der Hauptstraße.

Kölner Stadtanzeiger vom 6.2.07

Höhendorf im „Toto“-Fieber
HANDBALL ganz spontan: Witzhelden bereitet Weltmeister Torsten Jansen einen tollen Empfang.
 
„Hast Du dieses Tor gesehen, das war absolute Weltklasse!“ Der erste Treffer von Torsten Jansen im Finale der Handball-Weltmeisterschaft war gestern Nachmittag eines der Gesprächsthemen auf dem Witzheldener Marktplatz. Bereits kurz nach14 Uhr hatten sich dort mehr Menschen als sonst eingefunden. Denn seit dem Vormittag hatte sich eine Meldung wie ein Lauffeuer durch das Höhendorf verbreitet: „Torsten Jansen kommt!“ Und der herausragende Linksaußen im deutschen Weltmeister-Team ist auch der Grund, warum man in ganz Witzhelden seit vergangenen Sonntag sagt: „Wir sind Weltmeister!“
Torsten Jansen ist nämlich waschechter Witzheldener. Und während der Handball-Weltmeisterschaft drückte im Höhendorf nahezu jeder der deutschen Mannschaft und besonders „Toto“ Jansen die Daumen. Erst recht im Finale. Und das sahen viele Witzheldener nicht zu Hause im eigenen Wohnzimmer. Eine Riesenleinwand war in der Sporthalle aufgebaut worden, und in der Gaststätte „Zur alten Post“ lief das Finale in allen Räumen – insgesamt kamen dort gleich fünf Fernseher zum Einsatz. Kein Zweifel: Witzhelden war im Handball- und „Toto“-Fieber.

Und nach dem Finale war nur noch jubeln angesagt. Besonders zu Hause bei Helmut Jansen, Vater des frischgebackenen Weltmeisters. Der 65-Jährige hatte das Spiel live in der Köln Arena gesehen. Und dort bereits mit gefeiert. Als er mit Ehefrau Maria nach Hause zurückgekehrt war, ging es erst richtig los. „Das Telefon klingelte ununterbrochen und viele sind einfach vorbeigekommen, um zu gratulieren.“ Und auch die Nicht-Sportbegeisterten bekamen dann mit, dass sich etwas Besonderes im Höhendorf ereignet hatte: die Nachbarn zündeten ein Feuerwerk. Helmut Jansen verteilte Freibier und Ehefrau Maria schmierte Butterbrote. Erst um 3 Uhr morgens war Schluss.

Witzhelden wäre nicht Witzhelden, wenn damit die Jubelfeiern beendet gewesen wären. Denn kaum kursierte gestern das Gerücht, dass Torsten Jansen zu einem Abstecher ins Höhendorf kommen würde, war schon ein Festkomitee zusammen getreten. „Wir wollen Torsten zeigen, dass wir unheimlich stolz auf ihn sind“, so Dagmar Windmann, Vorstandsmitglied des TV Witzhelden. Denn dort erlernte er einst das Handball-ABC. „Er hatte bereits mit acht Jahren ein ausgeprägtes Ballgefühl“, erinnert sich Thomas Höhmann, damaliger Jugendtrainer beim TVW.

Torsten Jansen verließ den Verein bereits als C-Jugendlicher, wurde mit Tusem Essen Deutscher A-Jugend-Meister, stieg mit der SG Solingen in die Bundesliga auf – und spielt derzeit beim HSV Hamburg. Vergessen hat er seinen alten Verein nie. „Er hat in der Vergangenheit Trikots für unsere Jugend spendiert und auch schon mal ein Training einer Nachwuchsmannschaft geleitet“, weiß TVW-Vorsitzende Astrid Knoblauch zu berichten.

Kurz nach 15 Uhr waren es gestern einige hundert Menschen, die sich auf dem Marktplatz versammelt hatten. Ein Getränkestand war aufgebaut, Tische und Bierbänke aufgestellt – das Festkomitee hatte ganze Arbeit geleistet.

Um 15.15 Uhr kam er dann tatsächlich. Mit riesengroßem Jubel empfangen musste Torsten Jansen sofort Autogramme schreiben – auf Bälle, Zetteln und sogar auf Handschuhen. Viel Zeit zu einem Smalltalk blieb dem Weltmeister nicht. Wahrscheinlich wollte er es auch nicht unbedingt. Denn man sah es dem Nationalmannschafts-Linksaußen an – die WM hatte ihn geschafft. Abgekämpft war er, seine Sehnsucht nach Ruhe schier unendlich groß. Deshalb hatte er auch gestern einen Auftritt bei Stefan Raab abgesagt. Zu all dem sportlichen Stress kam noch, dass Torsten Jansen am Sonntag nach dem Finale feststellen musste, dass man ihm in der Köln Arena einen Karton mit Autogrammkarten und seinen DHB-Ausgehanzug gestohlen hatte. Rund eine halbe Stunde dauerte sein Besuch bei den Witzheldener Fans, danach ging es zurück ins Haus seiner Eltern. Ein paar Stunden wohlverdienter Schlaf folgten.
 

Solinger Tageblatt vom 6.2.07

Ohne Angst und ohne Nerven
Er traf, als es darauf ankam, und in der Abwehr deckte er überragend - Torsten Jansen war aufs gesamte Turnier gesehen der wohl beste Spieler des Teams.

Von Christian Zaschke

Als die deutschen Spieler sich ins Goldene Buch der Stadt Köln eintrugen, rief Bundestrainer Heiner Brand jeden einzeln namentlich auf. Als Torsten Jansen an der Reihe war, sagte Brand ins Mikrofon: ,,Torsten Jansen, der Mann mit dem schönen T-Shirt.‘‘ Alle Spieler trugen den Mannschaftsanzug, doch Jansen trug eine Jeans und ein T-Shirt, als er sich hinsetzte und seinen Namen in das Buch schrieb. Das lag daran, dass plötzlich alles sehr hektisch geworden war.

Als die Mannschaft, nachdem sie auf dem Spielfeld lange gefeiert hatte, sich in die Kabine zurückzog, ging Jansen auf die Tribüne zu seiner Freundin und seinem Kind. Er verbringt gern Zeit mit der Familie, auch seine Mutter war gekommen. Nachdem er also einige Zeit mit der Familie verbracht hatte, ging er in die Kabine.
Dort wurde Bier aus Flaschen getrunken, und einmal stimmten die Spieler das Lied der Schlümpfe an, an dessen Refrain man sich praktischerweise in jedem Zustand erinnern kann (,,Lala-lalalalalala-lala‘‘). Dann gab es das Zeichen zum Aufbruch, weil bekannt geworden war, dass sich auf dem Kölner Rathausmarkt wirklich viele Menschen versammelt hatten, und für Jansen wurde es jetzt knapp. Den Anzug konnte er in der Hektik nicht finden, und schließlich musste er zum Bus rennen, der abfahrbereit an der Halle stand.
Er erreichte den Bus, wenn auch im T-Shirt, aber es wäre schlimmer gewesen, wenn der Bus ohne Jansen gefahren wäre, denn er war aufs gesamte Turnier gesehen der wohl beste Spieler des Teams.

Das ist vielen nicht so aufgefallen, auch nicht der Kommission, die das All-Star-Team nominierte, was wiederum daran liegt, dass Jansen keine im Detail spektakuläre Spielweise pflegt, sondern eine in allen Belangen konstante. Dass er nicht so wahrgenommen wurde, passt ganz gut zu seiner Laufbahn, denn Jansen agiert im Angriff auf Linksaußen, auf der Position also, auf der bis Olympia 2004 Stefan Kretzschmar im Nationalteam spielte, der lange Zeit bekannteste deutsche Handballer. Als Kretzschmar bei der EM 2004 verletzt war, spielte Jansen, und die Mannschaft gewann das Turnier.

Das lag nicht an Jansen, aber es zeigte sich damals erstmals, dass er auch auf höchstem internationalen Niveau kein bisschen schlechter spielte als Kretzschmar. Bei dieser WM spielte er besser, besonders, als es darauf ankam.

Im Finale hat er von acht Würfen acht im Tor untergebracht, eine Quote von hundert Prozent. Das ist schlicht sensationell. Beeindruckender noch ist, dass Jansen im gesamten Turnier mit 37 von 41 Würfen traf, er also in zehn Spielen auf nur vier Fehlwürfe kommt. Er wurde stetig besser bis zum Finale, in dem er - so wie Pascal Hens - traf, als das Momentum auf Seiten der Polen war und die Partie zu kippen drohte. Als es darauf ankam, zeigte er, dass er der coolste Mann dieser Mannschaft ist, ein Spieler völlig ohne Angst und ohne Nerven.

Dazu kommt - und das ist der Punkt, der gern übersehen wird -, dass Jansen in der Abwehr exzellente Arbeit geleistet hat. Er deckt auf der linken Halbposition, was bedeutet, dass er gegen den rechten Rückraumwerfer des Gegners spielt. Dort agieren oft überragende Leute, doch wenn sie auf Jansen treffen, haben sie ein Problem. Der Pole Marcin Lijewski, der wegen seiner bis zum Finale gewaltigen Leistung zum besten rechten Rückraumspieler der WM gekürt wurde, erzielte gegen Jansen genau einen Treffer. Er kam nicht zum Zug, obwohl er größer und schwerer ist als Jansen.

Der ist mit 1,85 Metern eher klein für einen Handballer. Er sagt: ,,Ich bin fast immer einen Kopf kleiner und zehn Kilo leichter als mein Gegenspieler. Das muss ich irgendwie kompensieren.‘‘ Er kompensiert es durch Schnelligkeit und Willen. Dass diese Arbeit beim breiten Publikum so wenig gewürdigt wird, stört ihn nicht. ,,Viele nehmen die Statistik und schauen, wer die meisten Tore geworfen hat, und das war dann eben der beste Mann‘‘, sagt er, ,,aber ich freue mich über eine gelungene Abwehraktion noch mehr als über ein Tor.‘‘ Die Statistik des WM-Finales weist Jansen als den Mann mit den meisten Toren aus. Diesmal lügt sie nicht, er war an diesem Tag tatsächlich der Beste.

Süddeutsche Zeitung vom 6.2.07

Erlaubt ist, was frech ist
Torsten Jansen ist eine wichtige Komponente im deutschen Spiel - sagt der Trainer
 
Von Ralf Ohm

Köln. Ein bisschen hat er sie schon auf die Folter gespannt, die 19 000 Zuschauer in der Kölnarena und die über acht Millionen Handballfans an den Fernsehern. Denn bevor der Ball die Hand von Torsten Jansen beim Siebenmeter verließ, holte der Linksaußen der deutschen Handball-Nationalmannschaft dreimal aus. Wie um zu unterstreichen, dass dieser Wurf beim Stand von 25:24 für die Gastgeber 68 Sekunden vor Schluss das Viertelfinale der Handball-Weltmeisterschaft entscheiden könnte.

Was natürlich gar nicht die Absicht des 30-Jährigen war. "Denken darf man in solchen Augenblicken nicht, schon gar nicht, welche Bedeutung ein solcher Siebenmeter hat", betont "Toto" Jansen. Er blieb cool, und folgerichtig rauschte der Ball nach der vierten Ausholbewegung an Torwart Hombrados vorbei ins Netz – 26:24, womit die Spanier endgültig geschlagen und die Deutschen ins Halbfinale (heute 17.30 Uhr in der Kölnarena gegen Frankreich) eingezogen waren.

Ein schmaler Grat

Trotzdem weiß der Kretzschmar-Nachfolger im DHB-Team, dass er in solchen Situationen auf einem ganz schmalen Grat wandelt: "Frech zu spielen, ist immer angebracht, doch wenn du verziehst, bist du der Depp." Gerade dann, wenn einer wie der Ex-Nordhorner alle Trickwürfe wie Dreher und Heber drauf hat, damit die eigenen Fans begeistert und die gegnerischen Torhüter reizt. Ein technisch äußerst versierter Außen, der aber alles andere als ein Luftikus ist.

"Eine ganz wichtige Komponente in unserem Spiel", sagt Bundestrainer Heiner Brand über seinen Schützling, den er seit 1999 unter seinen Fittichen hat. Wichtig auf der Halbposition in der 6:0-Abwehr, wo der Leistungsträger bisher alle Rückraumrechten im Griff hatte, wichtig bei der ersten und zweiten Welle, wenn bei Ballbesitz im Duett mit Florian Kehrmann die Post abgeht. Und auch wichtig im Positionsangriff, um Torjäger Pascal Hens zu entlasten. Denn wenn sich die Abwehr des Gegners zu sehr auf "Pommes" konzentriert, schlägt sein Hamburger Vereinskamerad über außen zu.

"Intuitiv" auf dem Punkt

Trotzdem sind ihm spektakuläre Tore nicht so wichtig. "In der Abwehr hole ich mir das Selbstvertrauen für den Angriff", beschreibt der Student seine Prioritäten. Die Sicherheit als Siebenmeterschütze bei der WM geht nicht zuletzt auf einen Fehlwurf zurück. Als er beim Stand von 23:25 am polnischen Torwart Szmal scheiterte, war die Partie gelaufen - und Torsten Jansen ging in sich. "100 Mal" sei ihm dieser Fauxpas durch den Kopf gegangen. Mit der Konsequenz, dass er seitdem zum Punkt schreitet und "fast intuitiv" sein Ding macht. Sicher eben, auch wenn die Handballgemeinde den Atem anhält.

Hessische/Niedersächsische Allgemeine vom 31.1.07

Unheimlich heimlich
Der Linksaußen Torsten Jansen ist der effektivste Spieler in der deutschen Handball-Nationalmannschaft

Andreas Lesch

KÖLN. Christian Fitzek gibt einen verwegenen Ratschlag. Der Sportliche Leiter des HSV Hamburg spricht über Torsten Jansen, den Linksaußen der deutschen Handballer, er analysiert seine Schwächen und besonders seine Stärken, und plötzlich sagt er: "Sie müssten ihn mal unter der Dusche sehen." Wer Jansen unter der Dusche sehe, glaubt Fitzek, der werde ihn nie wieder unterschätzen: "Er ist ein absoluter Topathlet. Er ist unglaublich gut trainiert. Er macht seit Jahren ein ausgeklügeltes Kraftprogramm, zusätzlich zum normalen Training."

So ist das mit dem Hamburger Handballer Torsten Jansen: Seine Qualitäten erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Sie gehen leicht unter, sie werden selten bemerkt und noch seltener gelobt. Torsten Jansen ist ein leiser, unaufgeregter Mensch. Er ist der Gegenentwurf zum Magdeburger Stefan Kretzschmar, seinem Vorgänger in der Nationalmannschaft auf der Linksaußenposition. Er ist kein schräger Typ. Er spielt höchstens mal einen schrägen Pass. Fitzek sagt: "Nur wer hinter die Fassade des Spektakels schaut, der erkennt seinen Wert.

Am Dienstag, im gewonnenen Viertelfinale gegen Spanien, ist Jansens Klasse erstmals bei der Weltmeisterschaft auch dem breiten Publikum aufgefallen. Plötzlich merkten alle: Huch, der ist ja gut! Der Linksaußen erzielte sechs Treffer, er war der erfolgreichste Werfer im deutschen Team. Er verhalf seiner Mannschaft mit seinem 1:0 zu einem guten Beginn, und er entschied mit seinen Würfen zum 26:24 und 27:25 die Partie.

Im Eröffnungsspiel der WM hatte Jansen gegen Brasilien eine müde Leistung gezeigt, seitdem ist er besser und besser geworden. Er verrichtet in der Abwehr unheimlich heimlich seine Arbeit. "Torsten spielt gegen die besten Linkshänder der Welt und hat sie im Griff", lobt Kapitän Markus Baur. "Er spielt momentan einen perfekten Part. Unheimlich konstant und das auf hohem Niveau." Manchmal gönnt Jansen sich auch eine spektakuläre Aktion. Dann erahnt er einen gegnerischen Pass, hechtet zum Ball, fängt ihn und wirft ihn nach vorne zum Rechtsaußen Florian Kehrmann - der perfekte Tempogegenstoß. Um eine solche Aktion zu beherrschen, sagt Fitzek, "muss man sehr spritzig sein und sehr gut antizipieren. Das kann manchmal auch in die Hose gehen." Es geht aber meist ins Tor.

"Für mich ist Torsten der Spieler des Turniers. Er hat den Sprung zum Führungsspieler geschafft", sagt der Hamburger Manager Fitzek. Natürlich fällt es ihm leicht, einen Akteur seines Vereins zu loben. Aber der Kern der Wertung ist wahr: Bei kaum einem deutschen Spieler ist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag so günstig wie bei Jansen.

Ruhepol in lauten Hallen

Bei der WM hat im deutschen Aufgebot nur der Rechtsaußen Kehrmann bisher länger auf dem Feld gestanden als Jansen. Nach dem Erfolg gegen Spanien bekannte der: "Ich habe Durst und will eigentlich nur noch ins Bett." Dieser Wunsch aber war nicht von Dauer, schließlich glaubt Jansen: "Wir sind hier bei der WM noch nicht fertig." Er muss es wissen. Er ist ja der Ruhepol in den lauten Hallen. Er wird nicht hektisch. Er ist ein emotionaler Spieler, aber er zeigt das nicht jedem. "Die Emotionen kommen bei Torsten erst nach dem Spiel raus", erzählt Fitzek. "Da schreit er oft, da wirft er auch schon mal mit einem Papierkorb rum." Er muss nur aufpassen, wen er trifft.

Berliner Zeitung, 01.02.2007
 

Berliner Zeitung vom 1.2.07

Witzhelden feiert WM-Helden
VON LARS HEPP
 
Witzhelden feiert seinen Weltmeister 

(RP) Musik, Fahnen, Jubel: Der TV Witzhelden und andere Fans aus dem Höhendorf bereiteten „ihrem“ WM-Helden Torsten Jansen gestern auf dem Marktplatz den gebührenden Empfang. Jansen stammt aus der TVW-Jugend.
Torsten Jansen zog schon vor Jahren aus, um die weite Handball-Welt zu erobern. Mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft erreichte der 30-jährige Witzheldener den vorläufigen Höhepunkt seiner beeindruckenden Karriere.
Und trotzdem hat er seine Wurzeln nie vergessen. „Wir sind Torsten auch zu tiefem Dank verpflichtet und wollten uns dafür einfach nur erkenntlich zeigen“, erklärte Dagmar Windmann, die Geschäftsführerin des TV Witzhelden.
Jansen trainierte in der Vergangenheit immer mal wieder den Witzheldener Nachwuchs, spendierte zudem der weiblichen Jugend einen Trikotsatz. „Das ist ja nicht unbedingt üblich, spricht aber absolut für ihn“, betonte Windmann.

Erst gestern Vormittag hatte sich der Witzheldener Vorstand unter Windmanns Federführung zu einem besonderen Empfang entschlossen, innerhalb weniger Stunden war der Marktplatz bestens besucht. Mit Musik und unzähligen Deutschland-Fahnen war für die entsprechende Stimmung gesorgt.

Stimmung schwappte über

Als der Ehrengast den Ortsmittelpunkt erreichte, schwappte die beeindruckende Stimmung von den Finalschauplätzen noch einmal über. Die Lautstärke erreichte ungeahnte Dimensionen, das Gemeinschaftsgefühl kam bei jedem durch. Viele kennen Jansen schon seit seinen ersten Versuchen beim kleinen TVW, von dort startete der Linksaußen seine tolle Profilaufbahn.

„Unfassbar, was ich in den letzten Wochen erlebt habe. Das muss ich erst mal in Ruhe verarbeiten. Und da zählt dieser Empfang hier sicherlich auch zu“, meinte der vom Feiern sichtlich mitgenommene Nationalspieler. Bis tief in die Nacht hatte er noch zusammen mit seinen Kollegen den Titelgewinn begossen. Unbeschreibliche Lasten seien von der gesamten Mannschaft gewichen, berichtete der Finalheld, der mit acht Toren großen Anteil am Erfolg hatte.
Gerade der Handball-Nachwuchs war es, der auf der Jagd war. „Ich hätte schon gerne ein Autogramm bekommen, aber es waren so viele vor mir dran“, meinte der Burscheider Philipp Schmitz ein wenig enttäuscht – so viele Wünsche konnten von Torsten Jansen gar nicht erfüllt werden.

Astrid Knoblauch, Vorsitzende des TVW, sprach in einer kurzen Rede allen Anwesenden aus der Seele: „Ihr habt unser Wintermärchen wahr gemacht. Torsten, wir sind richtig stolz auf Dich.“ Auch Bürgermeister Ernst Müller überreichte Jansen ein Geschenk der Stadt Leichlingen.

Schlag auf Schlag

Bereits heute geht es für Jansen nach München, dort wird er als besonderer Gast auf der Sportwaren-Messe für einen Schuhhersteller auftreten. Direkt im Anschluss geht es zurück nach Hamburg, wo ab Mittwoch die Vorbereitungen auf das Meisterschaftsspiel beim THW Kiel beginnen.

Rheinische Post vom 6.2.07